„Der Gilb ist drin“

Verfasst von Marc Röder in Neuigkeiten am 15.05.2012

Eigentlich kennt man diesen Ausspruch aus alten Werbekampagnen für Waschmittel.
Vergilbung ist aber auch ein Thema, das die Papier- und Druckindustrie beschäftigt. Gestern wie heute.

„Die Lichtechtheit der Druckfarben“ haben wir im letzten Beitrag genauer betrachtet.
Diesmal möchten wir zwei Faktoren näher beleuchten, die zu einer farblichen Veränderung des Druckproduktes führen. Die Vergilbung und die Kontaktvergilbung von Papier.

Ersteres erlebt man täglich beim Lesen der Tageszeitung. Morgens noch die bekannte, leicht gräuliche Papierfarbe und nachmittags nach ein paar Stunden am Fenster, haben die oberen Blätter eine leichte gelbliche Färbung, während die darunter liegenden Seiten noch den ursprünglichen Papierton haben.
Was ist passiert? Reste des Holzstoffes Lignin und andere verholzte Fasern im Zeitungsdruckpapier haben sich unter Einwirkung von UV-Licht und Sauerstoff durch eine photochemische Reaktion verfärbt.

Die Vergilbung ist umso stärker, je höher der Anteil der Lignine und je länger der Einfluss des UV-Lichts ist. Holzfreie Papiere, also Papiere ohne Anteil von Holzstoff, die meist unter dem Begriff „Bilderdruckpapiere“ eingesetzt werden, unterliegen dieser Vergilbung nicht. Jedoch findet auch hier, allerdings deutlich langsamer und geringfügiger, eine Vergilbung statt, bei der die optischen Aufheller im Papierstrich durch das energiereiche, ultraviolette Licht in Ihrer optischen Wirkung geschwächt werden. Entgegenwirken kann man dieser Vergilbung nur durch den Einsatz von holzfreien Papieren sowie
der lichtgeschützten Lagerung. Eine Lackierung mit UV-Schutzlacken oder -Folien erzielt eine sichtbare Verbesserung, kann das Vergilben jedoch nicht gänzlich unterbinden.

Und wie ist es bei der „Kontaktvergilbung“? Wie der Name schon sagt, findet diese Art der partiellen Vergilbung beim Kontakt zweier gedruckter Papierbögen statt. Meist bei hochwertigen, sehr weißen Bilderdruckpapieren mit optischen Aufhellern im Strich. Wird ein Motiv mit hoher Farbdeckung gedruckt und beide druckfrische Bögen kommen in der Auslage der Druckmaschine aufeinander, so gasen Aldehyde des Schöndrucks beim oxydativen Trocknungsprozess aus und verstören mehr oder weniger stark die optischen Aufheller des Strichs in dem darüberliegenden Bogen.

Man spricht hier auch vom „Geistereffekt“ weil dies sehr schwer im Vorfeld zu beurteilen ist. Die Auswirkungen hängen stark von Farbe, Papier, Strich und dem  Stapeldruck ab. Geringere Farbschichtdicken durch ein UCR sowie kleinere Stapelhöhen lindern die Problematik.

Schön wäre, wenn es für diese Problematik, wie in der Waschmittelwerbung, ein probates Mittel gäbe.
Dann könnte man, wie damals Klementine, sagen: „Nicht nur sauber, sondern porentief rein!“


atio_kalender 2010

Verfasst von Marc Röder in Projekte am 27.01.2010

Reduzierte, pure Fotografie produziert auf ungestrichenem Papier mit minimalistischer Aufhängung.

atio_leistung: Konzeption, Reinzeichnung, Produktionsabwicklung

Druck: Offsetdruck

Bedruckstoff: PlanoArt 170 g/qm
Weiterverarbeitung: Bogen mit je 2 Monaten mittig gefalzt, Klemmschiene und Kordel dienen zur Aufhängung
Auflage: 1.300 Stück


„Der Gilb ist drin“

Verfasst von Marc Röder in Lexikon am 15.05.2012

Eigentlich kennt man diesen Ausspruch aus alten Werbekampagnen für Waschmittel.
Vergilbung ist aber auch ein Thema, das die Papier- und Druckindustrie beschäftigt. Gestern wie heute.

„Die Lichtechtheit der Druckfarben“ haben wir im letzten Beitrag genauer betrachtet.
Diesmal möchten wir zwei Faktoren näher beleuchten, die zu einer farblichen Veränderung des Druckproduktes führen. Die Vergilbung und die Kontaktvergilbung von Papier.

Ersteres erlebt man täglich beim Lesen der Tageszeitung. Morgens noch die bekannte, leicht gräuliche Papierfarbe und nachmittags nach ein paar Stunden am Fenster, haben die oberen Blätter eine leichte gelbliche Färbung, während die darunter liegenden Seiten noch den ursprünglichen Papierton haben.
Was ist passiert? Reste des Holzstoffes Lignin und andere verholzte Fasern im Zeitungsdruckpapier haben sich unter Einwirkung von UV-Licht und Sauerstoff durch eine photochemische Reaktion verfärbt.

Die Vergilbung ist umso stärker, je höher der Anteil der Lignine und je länger der Einfluss des UV-Lichts ist. Holzfreie Papiere, also Papiere ohne Anteil von Holzstoff, die meist unter dem Begriff „Bilderdruckpapiere“ eingesetzt werden, unterliegen dieser Vergilbung nicht. Jedoch findet auch hier, allerdings deutlich langsamer und geringfügiger, eine Vergilbung statt, bei der die optischen Aufheller im Papierstrich durch das energiereiche, ultraviolette Licht in Ihrer optischen Wirkung geschwächt werden. Entgegenwirken kann man dieser Vergilbung nur durch den Einsatz von holzfreien Papieren sowie
der lichtgeschützten Lagerung. Eine Lackierung mit UV-Schutzlacken oder -Folien erzielt eine sichtbare Verbesserung, kann das Vergilben jedoch nicht gänzlich unterbinden.

Und wie ist es bei der „Kontaktvergilbung“? Wie der Name schon sagt, findet diese Art der partiellen Vergilbung beim Kontakt zweier gedruckter Papierbögen statt. Meist bei hochwertigen, sehr weißen Bilderdruckpapieren mit optischen Aufhellern im Strich. Wird ein Motiv mit hoher Farbdeckung gedruckt und beide druckfrische Bögen kommen in der Auslage der Druckmaschine aufeinander, so gasen Aldehyde des Schöndrucks beim oxydativen Trocknungsprozess aus und verstören mehr oder weniger stark die optischen Aufheller des Strichs in dem darüberliegenden Bogen.

Man spricht hier auch vom „Geistereffekt“ weil dies sehr schwer im Vorfeld zu beurteilen ist. Die Auswirkungen hängen stark von Farbe, Papier, Strich und dem  Stapeldruck ab. Geringere Farbschichtdicken durch ein UCR sowie kleinere Stapelhöhen lindern die Problematik.

Schön wäre, wenn es für diese Problematik, wie in der Waschmittelwerbung, ein probates Mittel gäbe.
Dann könnte man, wie damals Klementine, sagen: „Nicht nur sauber, sondern porentief rein!“